Die Liebe meines Lebens
Donnerstag, 24. Januar 2008
Meine Privatsphäre ist mir heilig
Nach der ersten E-Mail von Thomas war erst einmal Ruhe. Ich hatte mich zwar sehr darüber aufgeregt, aber beruhigte mich dann auch wieder. Anfang es Jahres kam dann jedoch eine weitere E-Mail. Die Nachricht enthielt nichts weiter als Provokationen. Ich empfand den Text nicht nur beleidigend gegenüber mir, sondern auch gegenüber Ria. Ich teilte Ria kurz mit, dass ich erneut eine E-Mail bekommen habe. Und natürlich konnte Thomas das aus diversen Gründen nicht gewesen sein.

Ich bin selten wirklich sauer auf jemanden, aber meine Privatsphäre ist mir heilig! Da kommt so ein niveauloser Kneipenschläger und möchte mich ärgern? Ich war fest entschlossen etwas dagegen zu unternehmen. Am nächsten Tag rief ich die Mutter meiner Freundin Petra an, die mir als Anwältin zur Seite stehen konnte. Wir machten einen Termin aus für die folgende Woche. Als nächstes sprach ich einen Bekannten an, der bei freenet (dem Provider von Thomas) arbeitet und bat ihn darum zu bestätigen, dass die E-Mails tatsächlich von ihm kommt - es dauerte keine halbe Stunde. Sicherlich ließ sich eine solche inoffizielle Angabe nicht vor Gericht verwerten, aber genau diese Information würde man über die Polizei ebenfalls bekommen.

Ich muss zugeben, dass Thomas schon enorm wenig Ahnung und viel Pech dazu hatte. Die Jungs von freenet sitzen in Düsseldorf, ca. 20km von Krefeld entfernt und einen davon kenne ich persönlich. Mein Anbieter bekommt monatlich Geld dafür, dass ich dort eine E-Mail-Adresse haben darf und ist somit an einem zufriedenen Kunden interessiert und daher äußerst kooperativ.

Am Mittwoch ging ich dann zu der Anwältin. Wir saßen zu dritt in in einem schicken Büro. Gegenüber von mir war die Mutter von Petra. Neben ihr saß ihre Kollegin, die ein wenig Ahnung von der Technik hatte. An meiner Seite war Petra. Ich trug vor was passiert war, zeigte alle Unterlagen und Einschätzungen meiner Kollegen über die Authentizität der E-Mails, erklärte wieso es praktisch unmöglich ist, dass jemand anders diese Mails geschrieben haben kann und redete und erklärte. Zwischendurch kamen ein paar Rückfragen von ihrer Kollegin, die ich brav beantwortete.

Nach zwei anstrengenden Stunden war ich fertig und Petra schlug vor eine Pause zu machen. Sie sah mich an und sagte: "Kannst du mal kurz mit mir rüber in das andere Zimmer kommen?" Kein Problem, dachte ich...

Wir gingen einen Raum weiter und sie schloss die Türe. Auf das was dann kam war ich wirklich nicht vorbereitet. Sie warf mir vor, dass ich mich auf ein Niveau begeben würde, dass ähnlich niedrig wie das von Thomas ist. Sie sagte, sie hätte wesentlich mehr von mir erwartet. Ich versuchte mich zu verteidigen, doch es war hoffnungslos. Sie meinte, dass für jemanden wie mich doch keine Option sein sollte Beziehungsfragen vor Gericht zu klären. Ich stammelte etwas von "aber meine Privatsphäre..." Und sie fragte sehr aggressiv: "Und? Was willst du erreichen? Was soll das geben wenn es fertig ist?"

Da hatte sie mich. Über diese Frage hatte ich mir schon einige Tage zuvor Gedanken gemacht und hatte keine Antwort gefunden. Dies war einer der wenigen Momente in denen ich jemals sprachlos war. Würde sich irgendwas ändern? Wenn Ria schon mir und zwei Experten im Bereich E-Mail und Netzwerksicherheit nicht glaubt, weshalb sollte sie dann ein Richter in ein paar Jahren überzeugen können? Und ist das meine Aufgabe? Nein. Ria führt ihr eigenes Leben und ist für ihre Entscheidungen selbst verantwortlich. Und wenn sie mein, dass der "[...] Hase am Freitag für den Bären die Beine breit macht"**, dann ist das eben so und soll nicht mein Problem sein.

Wir gingen zurück in das große Büro. Für die beiden Anwältinen war die Sachlage klar. In der Pause hatten auch sie miteinander gesprochen. Petras Mutter erklärte mir etwas von Antragsdelikt (?) und Verstöße gegen das Strafgesetzbuch. Zudem erzählte sie mir, wie man mit den Prozesskosten bereits eine "gefühlte Strafe" erzeugen kann, selbst wenn die eigentliche Strafe nur gering ausfällt.

Ich war wohl leicht abwesend und sie fragte ob allen in Ordnung wäre. Ich schaute sie an, bedankte mich für die Zeit die sie sich für mich genommen hatte und fragte vorsichtig, ob wir das nicht sein lassen könnten. Zu meinem erstaunen lächelte sie und sagte: "Rache sollte niemals dein Handeln bestimmen."

Wow. Lernt man diese Nachsichtigkeit im Jura-Studium oder liegt es daran, dass die Mutter ist? Ich weiß es nicht, aber ich möchte mich herzlich dafür bedanken. Ich fuhr anschließend nach Hause und war befreiter. Ria und Thomas waren keine Personen mehr um die ich mich weiter kümmern müsste. Ich hatte nicht nur mir oder einigen Freunden gezeigt, dass Thomas das ganze inszeniert hatte, sonder auch unparteiischeren Personen. Es ging mir besser.


** Zitat aus der zweiten E-Mail

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